Ich war schon erwachsen, als meine Familie mich kennengelernt hat – kein Welpe mit Stammbaum, sondern ein Hund aus dem Tierschutz mit einer Vorgeschichte, die niemand so genau kannte. Am Anfang war das für meine Menschen eine echte Abwägung: Welpe vom Züchter oder ein Hund wie ich? Eine aktuelle Zahl zeigt, dass diese Frage gerade für ziemlich viele Familien wieder aktuell wird.
Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) veröffentlicht jährlich die Welpenstatistik seiner Mitgliedsvereine. Der aktuellste vollständig ausgewertete Jahrgang zeigt: 2024 wurden bei VDH-Mitgliedsvereinen 56.851 Welpen registriert – der niedrigste Stand seit mehreren Jahren und ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Höchststand von 85.595 Welpen im Jahr 2021 (VDH, Welpenstatistik der Mitgliedsvereine).
Was diese Zahl nicht sagt
Sie sagt nicht, dass es insgesamt weniger Hunde in Deutschland gibt – die VDH-Statistik erfasst ausschließlich Welpen aus Vereinen, die dem Verband angeschlossen sind, nicht den kompletten deutschen Markt und erst recht nicht freie oder ausländische Zuchten. Und sie sagt auch nicht automatisch, dass mehr Menschen sich für Tierschutzhunde entscheiden – das wäre eine andere Statistik, die diese Zahlen allein nicht liefern.
Was sie aber zeigt: Der Weg über einen VDH-Züchter wird für angehende Hundehalter tendenziell enger, während gleichzeitig viele Tierheime in Deutschland an ihrer Kapazitätsgrenze arbeiten. Zwei Entwicklungen, die sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern für alle, die gerade überlegen, sich einen Hund zuzulegen, eine ehrliche zweite Option nahelegen: den erwachsenen Hund aus dem Tierschutz, so wie ich einer war.
Züchter oder Tierheim – ehrlich abgewogen
Ich will hier keinem Welpen vom Züchter irgendwas absprechen – beide Wege können gut sein, wenn sie bewusst gewählt werden. Ein paar Punkte, die bei der Entscheidung wirklich helfen:
- Vorgeschichte ehrlich einschätzen. Ein Welpe wächst mit euch von null auf. Ein Tierheimhund bringt oft schon Grunderziehung und ein feststehendes Wesen mit – beides hat Vor- und Nachteile, je nachdem, wie viel Zeit ihr für den Anfang habt.
- Kosten realistisch vergleichen. Ein Welpe von einem seriösen Züchter kostet meist deutlich mehr als eine Schutzgebühr im Tierheim, die häufig Erstversorgung, Chip und Kastration bereits einschließt. Details dazu in unserem Ratgeber Erstausstattung: was es wirklich kostet.
- Zeit für Kennenlernen einplanen. Seriöse Züchter und gute Tierheime laden beide zu mehreren Besuchen vor der Entscheidung ein – wer Druck macht oder sofortige Mitnahme verspricht, ist in beiden Fällen ein Warnsignal.
- Erwachsene Hunde nicht unterschätzen. Für Erstlingshalter ist ein ausgewachsener, bereits eingeschätzter Hund aus dem Tierschutz oft leichter einzuschätzen als ein Welpe mit unbekanntem Temperament.
Was hinter dem Rückgang stecken könnte
Die VDH-Zahlen allein erklären nicht, warum weniger Welpen gemeldet werden. Denkbar sind mehrere Gründe gleichzeitig: gestiegene laufende Kosten für Tierarzt und Versorgung, mehr Bewusstsein für verantwortungsvolle Anschaffung nach den unüberlegten „Corona-Welpen“-Jahren, oder schlicht ein vorsichtigerer Blick auf die eigene Zeit und Lebenssituation, bevor ein Hund einzieht. Für mich als Tierheimhund ist das erstmal eine gute Entwicklung, unabhängig vom genauen Grund: Wer sich die Anschaffung gut überlegt, landet oft überhaupt erst bei der Frage „Züchter oder Tierheim“ – und genau diese bewusste Abwägung wünsche ich mir von jeder Familie, die einen Hund aufnimmt.
Die Brücke zu ersterhund.de
Falls du gerade genau an diesem Punkt stehst: In unserem Tierheim-Verzeichnis findest du Einrichtungen in deiner Nähe, die aktuell Hunde wie mich vermitteln – mit echten Beschreibungen statt Textbausteinen. Und egal, für welchen Weg ihr euch entscheidet: Was an Ausstattung wirklich gebraucht wird und was nicht, haben wir ehrlich in unserem Kostenratgeber zusammengefasst.
Häufige Fragen
Ist ein Tierheimhund auch für Anfänger geeignet?
Oft sogar gut geeignet – viele Tierheime kennen das Wesen ihrer Hunde genau und beraten ehrlich, welcher Hund zu Ersthaltern passt. Fragt gezielt nach ruhigen, bereits gut eingeschätzten Hunden.
Was kostet ein Hund aus dem Tierheim im Vergleich zum Züchter?
Die Schutzgebühr im Tierheim liegt meist deutlich unter dem Preis eines Rassewelpen vom Züchter und deckt häufig bereits Erstversorgung, Chip und Kastration ab. Genaue Zahlen unterscheiden sich je nach Einrichtung und Region.
Woran erkenne ich einen seriösen Züchter?
Er zeigt euch die Muttertiere, lässt Welpen nicht vor der achten Lebenswoche abgeben, dokumentiert Gesundheitschecks und lädt zu mehreren Besuchen vor der Entscheidung ein.
Wie lange dauert es, bis ein Tierheimhund sich eingewöhnt hat?
Das ist von Hund zu Hund verschieden – manche kommen nach wenigen Tagen an, andere brauchen mehrere Wochen. Ein gutes Tierheim berät ehrlich, wie viel Geduld bei einem bestimmten Hund realistisch einzuplanen ist.

